Obdachelose Menschenhasser

Hallo,

Heute war ich mit meinem Cousin und meiner Mutter in Köln. Flo war jetzt ca. eine Woche bei uns und ist von Köln aus weiter nachhause gefahren. Was meine Mum und ich in Köln wollten kann man sich ja denken- SHOPPING.
Ich könnte jetzt hierhin schreiben was ich mir wo und für wieviel Geld gekauft habe. Ich könnte ebenfalls erzählen dass ich obwohl man von meinem Ort ca. eine gute Stunde bis Köln brauch drei Stunden für eine Strecke gebraucht habe und jetzt verstehen kann warum viele Menschen die Deutsche Bahn verfluchen und hassen und es ihnen ab heute gleich tue.
Ich könnte auch erzählen dass ich heute drei nette chinesische Studenten kennengelernt habe, die ich auf eine paradoxe Art und Weise in mein Herz geschlossen habe, vor allem den etwas dickeren süßen Herren der etwa so lachte "HOHOHOHOHOHO".
Aber der Grund für diesen Blogeintrag ist ein komplett anderer.

Was muss passieren, dass man seine eigene "Rasse" hasst? Was muss passieren, dass man als Mensch angewidert von der Menschheit ist? Ich dachte ich wüsste es. Ich dachte Unwissenheit über das teilweise grauenhafte Handeln der Menschen würde einen zwangsläufig zu Hass führen, ich dachte bei mir wäre es so. Heute jedoch ist mir, so glaube ich, bewusst geworden was Hass wirklich bedeutet bzw. was es bedeutet eine ganze Rasse zu verabscheuen.

Die vielen Obdachlosen in Köln sind mir schon immer aufgefallen und ich kam noch nie wirklich gut damit zurecht, wenn einer von ihnen auf mich zukommt und um Kleingeld oder Essen bittet. Warum? Weil ich mich jedes beschissene Mal so verdammt schlecht gefühlt hab nein zu sagen oder meine Eltern oder Freunde nein sagen zu lassen nur weil es zu lästig erscheint das Portemonnaie herauszunehmen und ein paar Zentstücke herauszunehmen.
Heute kam es mir so vor, als hätten sich die Obdachlosen verzehnfacht.
Ich frage mich so oft, was passieren muss, dass man auf der Straße landet und sein gesamtes Hab und Gut verkaufen muss. Was passieren muss, dass ein armer alter Mann um Essen bettelt und wie eine lästige Fliege vertrieben wird.
Ich finde es grauenhaft und wüsste zu gern die Geschichten der Menschen auf der Straße. Wahrscheinlich finde ich es deswegen so interessant, weil ich mir ein Leben auf der Straße nicht in meinen dunkelsten Albträumen vorstellen könnte. Ich würde den Tod bevorzugen, keine Frage.
Und genau deswegen finde ich die meisten von ihnen stark und schon fast bewundernswert, nicht vorbildlich vielleicht, aber bewundernswert.

Worauf ich hinaus will ist folgendes: Am Bahnhof in Köln bat uns eine Frau um Kleingeld. Aus Reflex winkte meine Mutter ab und schickte die Frau weiter. Ich weiß nicht warum, doch hatte ich gleich darauf so ein schlechtes Gewissen, dass ich ihr nachlief und etwas gab. Ich hatte so ein Mitleid mit ihr wie erst einmal in meinem Leben.
Als ich auf die Frau zuging und sie für die ersten Sekunden etwas musterte sah ich fettige Haare, nahm einen nicht angenehmen Geruch wahr, sah ein paar Piercings doch blieb dann plötzlich bei ihren Augen stehen. Noch nie hatte ich solche Augen gesehen! Sie waren grau, glanzlos, hatten jegliche Farbe verloren. Ich wollte nicht wissen wie oft diese Frau schon geweint hatte. Sie war zwar noch nicht alt, so um die 20 schätze ich, allerdings las ich in ihren Augen die Lasten einer ganzen Welt. Das jedoch wirklich schlimmste in ihren Augen war der Zorn, die Wut, der unerschütterliche Hass.
Natürlich rechnete sie nicht damit, dass ich ihr Geld geben wollte doch begriff es schnell und ihre Gesichtszüge entspannten sich zusehends. Sie nuschelte ein "Danke" und verschwand.
Was hatten diese Augen schon alles gesehen, dass sie mit so unendlich großem Hass erfüllt waren?
Es gibt größeren Hass als meinen.
Es gibt mehr Schmerzen als ich sie ertragen muss.
Es gibt Menschen die wesentlich ärmer dran sind.

Dieser Gedanke tut für einen kurzen Moment gut und schon schäme ich mich wieder.
Traurige Welt..


Bon nuit!

20.7.12 01:30

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Andreas / Website (20.7.12 08:20)
Manchmal habe ich das starke Gefühl dass du so etwas wie meine kleine Schwester bist. Es ist gut dass du deinem Impuls gefolgt und ihr nachgelaufen bist. Und dass du sie angesehen hast. Und es gibt keinen Grund sich zu schämen, wegen deiner Gedanken, im Gegenteil. Die meisten würden das niemals wahrnehmen, alles. Dich macht das besonders, und liebenswert. Vor langen Jahren habe ich ähnliche erlebt; ein junges Mädchen saß völlig zusammengekrümmt an der Seite eines U-Bahn-Abgangs. Sie wirkte so schrecklich allein und verloren dass ich hingegangen bin und ihr einfach aus einem Impuls heraus 10 DM in die Hand gedrückt habe. Sie hat es gemerkt und es kam ein "Danke" mit einer so verlorenen, so fernen Stimme von ganz weiten unten aus ihr selbst dass es fast wehtat. Ich bin froh dass du diese Frau auf deinem weg wahrnehmen konntest. Und ich mag all deine Gedanken dazu. . Liebe Grüße!

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